Der intelligente Behälter

Name: Würth Industrie Service GmbH & Co. KG
Gründungsjahr: 1999
Mitarbeiterzahl: 1350
Branche: Handel und Logistikdienstleister
Ausgezeichnet: November 2015

Kompetenzen und Ausgangssituation

Unter der Marke „CPS® – C-Produkt-Service“ bietet die Würth Industrie Service GmbH & Co. KG den produzierenden Industriekunden individuell zugeschnittene, logistische Beschaffungs- und Versorgungskonzepte wie scannerunterstützte Regalsysteme, automatisierte elektronische Bestellsysteme oder Just-in-time-Versorgungen mittels Kanban-Behältersystemen. Dabei erfolgt die Belieferung der Kunden direkt an die Fertigungslinie in die Produktion.
Die Würth Industrie Service verfügte bereits vor dem prämierten Projekt über Wissen bei physischen Produkten, Software und Vernetzung, Leistungsangeboten und Produktionsprozessen im Hinblick auf Industrie 4.0 Anwendungen und konnte dies vor dem Projekt noch in keinem Wertschöpfungs- und Unternehmensbereich einsetzen.

„Digitalisierung verändert schon jetzt die Produktionsabläufe und die Materialversorgung. In der Fabrik der Zukunft werden sich diese Bedingungen grundlegend weiter wandeln und moderne IT-Technologien mit klassischen Produktionsprozessen vernetzen.
Für den Beginn dieses Wandels im C-Teile-Management stehen dabei stellvertretend Lösungen wie der intelligente Kanban-Behälter iBin der Würth Industrie Service. Diese Technologie revolutioniert nicht nur das C-Teile-Management, sondern ist für die gesamte Industrie und deren Wertschöpfungskette inklusive Einkauf, Materialwirtschaft und Logistik von gravierender Bedeutung.“
Christian Schorndorfer, Geschäftsführer Vertrieb/Key Account

Beweggründe für Industrie 4.0 Lösung                                                Kosten und Investitionen

  • Verbesserung der Robustheit und Flexibilität                                  200.000-1 Mio. €
  • Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit
  • Höhere Sicherheit
  • Erhöhung der Wirtschaftlichkeit

Externe Partner                                                                                           Projektdauer

  • Dienstleister                                                                                             > 1 Jahr
  • Forschungseinrichtung
  • Kunden

Was ist das Neue an dieser Industrie 4.0-Lösung?

Der iBin® ist ein intelligenter Kanban-Behälter, der mittels eingebautem Kameramodul völlig eigenständig den Bestand an C-Teilen wie Schrauben, Muttern und Scheiben im Behälterinneren überwacht. Durch eine regelmäßige optische Füllstandsmessung und die integrierte Zählfunktion können Bestände zeitpunktgenau und ab Erkennen einzelner Artikel stückgenau ermittelt werden. Bei der ersten Auslieferung an den Kunden macht das Kameramodul des iBin® ein Bild des Behälterinneren. Dieses Bild gibt den Ausgangszustand wieder und zeigt auf, dass der Behälter zu 100 Prozent gefüllt ist. Die Entnahme der C-Teile wird durch das Kameramodul überwacht. Der iBin® fängt mit der ersten Entnahme an, prozentual den Füllstand des Behälterinneren zu errechnen. Die ermittelten Informationen werden per gesichertem Funkkanal an eine Kommunikationsstation übertragen. Der iBin® ist somit nicht an einen Ort gebunden, sondern kann frei im Raum, z.B. vom Lagerplatz an den Arbeitsplatz, bewegt werden. Hierfür wurde ein neuartiges Zeitschlitzkommunikationsverfahren entwickelt, dass es ermöglicht mehrere tausend intelligente Behälter zuverlässig und energiesparend zu überwachen.

Was ist der wichtigste Vorteil der Industrie 4.0-Lösung?

Der iBin® ist das erste Modul auf dem Markt, welches eine integrierte Kamera zur automatischen Auslösung von Bestellungen in der Materialwirtschaft nutzt. Durch die automatisierte Bestellauslösung wird die größtmögliche Versorgungssicherheit mit C-Teilen sichergestellt. Völlig unabhängig davon, wo der Behälter steht oder wie groß er ist, ermöglicht die permanente Bestandsübermittlung eine vollständige Transparenz. Außerdem wird durch die punktgenaue Disposition eine optimale Lagernutzung ermöglicht.

Sicherheitsbestände können reduziert werden, aufwändige und manuelle Dispositionsprozesse entfallen bzw. werden weitgehend automatisiert. Da auch außerplanmäßige Entnahmen in Echtzeit erfasst werden, kann unmittelbar ein Bestellvorgang ausgelöst werden.

Welchen konkreten Nutzen hat die Technologie für Kunden?

Der Kunde muss die C-Teile nicht mehr manuell bestellen, wenn der Behälter schon leer ist. Der iBin® kann eine prozentuale Angabe der im Behälter befindlichen Artikel direkt an den Lieferant der C-Teile, Würth Industrie Service, übermitteln. Die Messung und Bedarfsauslösung erfolgt ohne manuelles Zutun vollautomatisch. Manuelle Bestandsüberprüfungen sind somit nicht mehr notwendig. Damit ist eine verbrauchsgesteuerte Lieferung von Kleinteilen für den Produktionsbedarf nicht nur just-in-time möglich, sondern die C-Teile-Versorgung erfolgt in Echtzeit per Bildformat. Durch die Integration des iBin®-Moduls in alle gängigen, an die VDA-Norm angelehnten Behältergrößen ist eine nahtlose Integration in bereits bestehende Kundenprozesse möglich.
Als autarkes System ist der iBin außerdem in den Werken der Kunden ohne Änderung der bestehenden Prozesse oder einer Umrüstung der Infrastruktur einsetzbar. Dies führt dazu, dass der iBin® unabhängig von Lagerort und Arbeitsplatz verwendet werden kann.

Konkrete Ergebnisse

Durch die Einführung entsteht eine höhere Transparenz der Daten, eine bessere Informationsbereitstellung und effizientere Prozesse.

Ebenso kann weiterhin die Versorgungssicherheit der produzierenden Industriekunden maximiert werden und Bedarfsschwankungen frühzeitig identifiziert werden.

So geht auch eine Technologieführerschaft auf dem Gebiet des C-Teile-Managements einher.

Welche Faktoren trugen zum Erfolg des prämierten Projektes bei?

Forschung und Entwicklung wird innerhalb der Würth-Gruppe kontinuierlich gefördert. So war auch im Falle des iBin® die Kooperation der Würth Industrie Service mit der Würth Elektronik ICS einer der Erfolgsfaktoren. Auf Seiten der Würth Industrie Service stand insbesondere der Kundennutzen und das logistische Know-how im Fokus und auf Seiten von Würth Elektronik ICS wurde dies durch die technologische Kompetenz ergänzt. Dies übereinander gelegt hat das Ergebnis iBin® zur Folge gehabt.

Auch das Durchhaltevermögen sowie die Flexibilität während des Projekts und die Bereitschaft neue Wege zu gehen, haben zum Erfolg diese Neuentwicklung beigetragen.

Welche Hemmnisse galt es zu überwinden?

  • Hohe Kosten
  • Intensive Vorbereitung
  • Fehlende technische Voraussetzungen

Lessons Learned

Wir stehen noch in den Anfängen von Industrie 4.0. Deshalb ist es wichtig, einzelne Themen herauszugreifen und bei einer Neuentwicklung immer bei  einem konkreten Fall oder Bedarf in der Industrie anzusetzen und nicht  allein von der rein technischen Machbarkeit heranzugehen.

 Erfolgsstrategie für die Zukunft

Unsere RFID-Kanban-Systeme stehen für einen standardmäßigen und flächendeckenden Einsatz bei produzierenden Industriekunden innerhalb des C-Teile Managements. Der intelligente Behälter iBin® setzt dort an, wo RFID aufhört und er geht noch einen Schritt weiter. A- und B-Teile-Abwicklung, höchste Systemflexibilität durch direkte Arbeitsplatzversorgung, Bilddokumentation, einfache Artikelerkennung, System zur Fertigungssteuerung, sind nur einige der zu nennenden Punkte, die über den neuen iBin® möglich werden.

Die Entwicklung des iBin ist noch lange nicht abgeschlossen und wir haben gemeinsam noch weitere Schritte geplant. Eine detaillierte Bestandsermittlung im Behälter und eine eindeutige Identifizierung der Artikel, inklusive Abmessung, sind nur zwei der denkbaren Weiterentwicklungen. Sicherlich wird es auch in Zukunft Potentiale in angrenzenden Bereichen geben, bei denen weitere Fortschritte erzielt werden können.

Die Industrie 4.0 Lösungen werden weiterhin verfolgt. Die Würth Industrie Service GmbH & Co. KG hat einen systematischen Plan (Roadmap) für die Zukunft.

Bilder

Kontaktadresse

Würth Industrie Service GmbH & Co. KG
Drillberg
97980 Bad Mergentheim

Webseite: www.wuerth-industrie.de

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