Flexibel handeln, Zukunft sichern

Agile Organisation Organisation 4.0

Agilität beschreibt die Fähigkeit von Unternehmen, flexibel auf Veränderungen zu reagieren und Chancen proaktiv zu nutzen.
Definition

Agilität – was ist das überhaupt?

In der sogenannten VUCA-Welt – “volatility” (Volatilität), “uncertainty” (Unsicherheit), “complexity” (Komplexität) und “ambiguity” (Mehrdeutigkeit) –, d. h. einer Welt schneller Veränderungen und Unsicherheiten, sollten Unternehmen so organisiert sein, dass sie rechtzeitig bei neuen Entwicklungen und Ereignissen kreativ agieren können. Industrie 4.0 verschärft die Notwendigkeit, sich stetig neuen Situationen anzupassen.

Eine agile Unternehmensorganisation, in dafür geeigneten Bereichen, kann dabei helfen, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Agilität ist die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Organisation oder Teile seines Geschäftsmodells in kurzer Zeit auf neu entstehende Marktanforderungen und die damit einhergehenden Chancen anzupassen. Agil sein bedeutet also, flexibel, reaktiv aber auch antizipativ und initiativ zu handeln.

Agiliät im Unternehmen lässt sich nicht kurzerhand umsetzen. Um weiterhin erfolgreich zu sein, sollten sich Unternehmen selbst und Ihre Kultur ständig hinterfragen. Eine Abkehr von bisherigen Strukturen sollte kein Tabu sein. Wie jede Veränderung kann dies zur Verunsicherung der MitarbeiterInnen und Instabilität führen. Agile Organisationsformen und Projekte sollten deshalb nur Schritt für Schritt umgesetzt und entsprechend skaliert werden.

Führen Sie Ihre MitarbeiterInnen schrittweise in angepassten, aber effektiven Schritten an agile Prinzipien und Methoden heran und fördern Sie möglichst positive Erfahrungen mit diesen. So tragen Sie dazu bei, dass eine Akzeptanz für die veränderte Organisationsform entsteht.

Zehn Schritte zum agilen Unternehmen

Zehn Schritte zeigen praxisnah, wie Unternehmen agil werden und nachhaltig flexibel erfolgreich bleiben.

Um alle Beteiligten bestmöglich auf agile Arbeitsweisen vorzubereiten, ist es unerlässlich, dass entsprechendes Fach- und Methodenwissen bei den betroffenen Personen aufgebaut wird.

Unternehmen sollten den MitarbeiterInnen die Möglichkeit geben, sich fachlich weiterzubilden, Trainings zu besuchen und Zertifikate zu erwerben. MitarbeiterInnen, die frühzeitig praktische Erfahrungen zum Thema agile Methoden und Vorgehensweisen sammeln, können als wertvolle Multiplikatoren fungieren und zur Verbreitung eines agilen Mindsets im gesamten Unternehmen beitragen.

Machthierarchien und klassisches Rollenverständnis werden im Rahmen der agilen Transformation einzelner Unternehmensbereiche weitgehend abgeschafft und durch klare Ziele und Visionen ersetzt. Agile Organisationen verfolgen Rollenkonzepte, die eine hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit des Unternehmens ermöglichen. Statt einer klassischen pyramidenförmigen Hierarchie zeichnen sich agile Unternehmen durch autonome Organisationseinheiten aus, die sich weitgehend selbst steuern und nicht durch eine darüberliegende Hierarchieebene organisiert werden.

Im Unterschied zu den klar vergebenen Positionen in einem hierarchisch organisierten Unternehmen sind die Rollen in agilen Unternehmen dynamisch und nicht dauerhaft bestimmten Personen zugeordnet. Die Auswahl geeigneter MitarbeiterInnen wird individuell getroffen – Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale müssen zu den Anforderungen der Rolle passen.

Auch die Führungskräfte müssen sich mit neuen Aufgaben und einem veränderten Rollenverständnis im agilen Umfeld auseinandersetzen. Die dezentrale Aufbau- und Ablauforganisation erfordern ein anderes Führungsverständnis als bisher. Führungskräfte sind im agilen Kontext keine klassischen Kontrollinstanzen. Vielmehr geben Sie die Rahmenbedingungen vor, in denen Lösungen und Ergebnisse erarbeitet werden.

Es ist wichtig, eine agile Vision oder ein agiles Zielbild im Unternehmen zu erarbeiten und zu verbreiten. Dieses Leitbild sollte agile Strukturen, ein verändertes Kulturverständnis und eine neue Definition von Führung beinhalten.

Vorteile und Auswirkungen der agilen Transformation auf das gesamte Unternehmen sollten klar beschrieben sein. Die Vision muss von der gesamten Führungsebene akzeptiert, vorgelebt und umgesetzt werden. Zusammen mit den MitarbeiterInnen lassen sich Werte und eine gemeinsame Identität für den Wandel hin zur agilen Organisation entwickeln, die von allen getragen werden.

Jede Veränderung bringt auch Widerstand mit sich. Es kann eine ablehnende Haltung gegenüber den neu definierten Rollen und Prozessen entstehen. Außerdem können sich einzelne Organisationseinheiten benachteiligt fühlen, wenn die Einführung agiler Methoden und Pilotprojekte zunächst nur in anderen Unternehmensbereichen erfolgt. Es ist wichtig, frühzeitig und offen alle Pläne zu kommunizieren und den Beteiligten bewusst und transparent zu machen, welche Herausforderungen mit der neuen Vorgehensweise gelöst werden sollen.

Die wichtigsten Stakeholder, das Top-Management, die Führungskräfte und angesehene Multiplikatoren des Unternehmens müssen die agile Transformation wollen – ungeachtet möglicher persönlicher Nachteile. Im Englischen spricht man häufig vom „buy in“ der Stakeholder.

Scheitern ist im agilen Vorgehen erlaubt. Mit dieser Erlaubnis werden die MitarbeiterInnen mutiger, trauen sich zu experimentieren und Dinge einfach umzusetzen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für agiles Arbeiten. Querdenken erfordert eine Kultur des Zulassens, der Fehlertoleranz und Innovation.

Agile Methoden schaffen große Transparenz über laufende und zu erledigende Arbeiten. Diese Transparenz hilft dabei, vorausgegangene Fehler zu erkennen und nicht zielführendes Vorgehen in das Bewusstsein zu rücken. Agile Methoden, wie beispielsweise SCRUM, leben von kontinuierlichen Verbesserungen. Hierfür ist es notwendig, Fehler sowie Ideen für Verbesserungen über alle Organisationseinheiten hinweg offen ansprechen und diskutieren zu können.

In agilen Organisationen arbeiten MitarbeiterInnen selbstbestimmt und selbstorganisiert. Um aktuelle Themen der Digitalisierung flexibel bedienen zu können, müssen Organisationen das Silodenken unterschiedlicher Bereiche aufbrechen und funktionsübergreifende, selbstorganisierte Teams zusammenbringen. Dafür ist ein hohes Maß an Eigeninitiative und Eigenverantwortung notwendig, das durch die Übertragung von Entscheidungsbefugnissen auf die selbstorganisierten Teams unterstützt werden muss. Agile Meeting-Formate helfen dabei, Transparenz über aktuelle Projekte in den selbstorganisierten Teams zu schaffen und die Arbeit zu strukturieren.

Die Umsetzung agiler Projekte sollte inkrementell und iterativ sein. Die unterschiedlichen Stakeholder und Entwickler durchlaufen einen ständigen Zyklus von Planung, Aktion und Reflektion, wodurch eine Kultur des Lernens und der regelmäßigen Anpassung erzeugt wird.

Nach jeder abgeschlossenen Iteration wird ein funktionierender Zwischenstand des Produkts (Inkrement) abgeliefert. Dem Produkt werden bei jedem weiteren Zyklus neue Funktionen hinzugefügt. Durch diese iterative und inkrementelle Vorgehensweise haben alle Beteiligten die Möglichkeit, Änderungen einzubringen, von den Erkenntnissen der vorhergehenden Iteration zu lernen und den Prozess sowie das Produkt kontinuierlich zu verbessern. Den NutzerInnen werden die Zwischenergebnisse zeitnah zur Verfügung gestellt, um regelmäßig Feedback zu erhalten.

Agile Unternehmen sind in der Lage, proaktiv zu handeln. Sie erkennen Marktentwicklungen und Kundenwünsche frühzeitig und nutzen die Chance, das Unternehmen mittels Innovationen schnell auf neue Anforderungen auszurichten. Bei agilen Unternehmen und Methoden steht die NutzerIn im Vordergrund. Dadurch ergibt sich eine hohe KundInnenorientierung. Sie werden über dezentrale Einheiten schnell in die strategischen Entwicklungen/Entscheidungen einbezogen.

Ziel agiler Teams ist es, den KundInnen das bestmögliche Produkt für ihre Anforderungen zu liefern. Im Gegensatz zu klassischen Unternehmensstrukturen wird die Anforderungsaufnahme und die Strategie in der agilen Vorgehensweise komplett an den KundInnen ausgerichtet.

Um erfolgreich auf ein agiles Vorgehensmodell umstellen zu können, müssen im Unternehmen die Voraussetzungen für eine agile Arbeitsorganisation geschaffen und ein stimmiges Transformationskonzept entwickelt werden:

  • Vision: Eine starke Vision muss von Anfang an den Weg zur agilen Transformation stützen. Sie muss den Nutzen für das Unternehmen und einzelne Unternehmensbereiche ins Zentrum stellen.
  • Kultur: Festgefahrene Hierarchien müssen durch Selbstorganisation ersetzt werden. Ebenso sollten durch Rollenschulungen und Coachings Selbstverantwortung und ein agiles Mindset gefördert werden.
  • Agiles Mindset: Wichtige Stakeholder, Führungskräfte und Multiplikatoren im Unternehmen müssen zeigen, dass sie die agile Transformation wirklich wollen und die MitarbeiterInnen entsprechend motivieren.
  • Kommunikation: Es muss immer wieder offen über den Sinn und Zweck der Transformation gesprochen werden. Ängste und Bedenken der MitarbeiterInnen müssen ernst genommen werden. Nur so kann  Vertrauen in den Nutzen der Maßnahmen geschaffen werden.

Die Einführung agiler Arbeitsweisen betrifft fast nie das gesamte Unternehmen. Denn sie ist nicht in jedem Fall sinnvoll und sollte immer schrittweise angegangen werden – in ausgewählten Pilotbereichen oder mit Pilotprojekten. Die in den Pilotprojekten gesammelten Erfahrungen können dann Schritt für Schritt auf andere Unternehmensbereiche übertragen werden.

Agile Tools

Diese Methoden helfen bei der agilen Projektarbeit

Agile Tools wie Scrum, Kanban, OKR und Design Thinking unterstützen Teams dabei, Projekte flexibel, transparent und kundenorientiert umzusetzen, Prozesse kontinuierlich zu verbessern und innovative Lösungen in kurzen Iterationen effizient zu entwickeln.

Organisation 4.0

Use Cases & Fallbeispiele aus der Industrie

Die Fallstudien und Filme zu beeindruckenden Beispielen sind Ergebnis eines Projekts der Allianz Industrie 4.0. Es wurde durch das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) realisiert und vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert.